Natürliche Fließgewässer verharren niemals in einem statischen Zustand. Es sind vielmehr dynamische Systeme,
die unablässig ihr Aussehen verändern. Ausgelöst durch die Fließgeschwindigkeit des Wassers gestaltet der
natürliche Fluss seine Ufer, die Sohle, die umgebende Landschaft und damit auch die Lebensräume für Flora und
Fauna immer wieder neu. Gewässerdynamik ist das Ergebnis des Zusammenspiels von Wasserabfluss, Sedimentation (
Materialanlandung) und Erosion (Materialabtrag). Je nach Größe und Gewicht der Sohlsedimente (Schlamm, Sand,
Kies, Steine, Felsblöcke) und in Abhängigkeit von der Fließgeschwindigkeit werden diese wegtransportiert
(erodiert) oder abgelagert (sedimentiert). Ist die abfließende Wassermenge sehr groß wird viel Material
transportiert und es entsteht eine große Dynamik.

Die Geologie der Landschaft bestimmt dabei, in welche Richtung sich ein Fließgewässer entwickelt. Durch die
Kraft des Wassers entstehen Kolke (Vertiefungen) und Inseln (Auflandungen). In den Innenkurven der
Flussschleifen wird die Fließgeschwindigkeit reduziert und feineres Material kann sich absetzen (Gleithang).
Die Hauptströmung wird am Gleithang entlang an den Außenkurvenbereich gelenkt (Prallhang). Dies kann hier zur
Erosion von Sedimenten führen. Sind diese sehr fest (Steine, Felsen, Grobkies) können sie der anstehenden
Strömung Widerstand bieten. Bestehen die Sedimente des Prallhangs jedoch aus Sand, Moorboden oder Feinkies,
werden sie abgetragen und die Flussschleife "wandert". Solche Prozesse können über Jahrzehnte bzw.
Jahrhunderte verlaufen und haben zur Entwicklungen der
Fluss-Auen im Tiefland geführt.
Für die Einleitung einer naturgemäßen Entwicklung der fließgewässertypischen Dynamik muss den ausgebauten und
größtenteils auf eine schmale Abflussrinne reduzierten Bächen und Flüssen wieder
mehr Raum zur Verfügung gestellt werden.
Die Dynamik des fließenden Wassers schafft Lebensräume
Aufgrund der Vergrößerung des Gewässerquerschnitts durch Ausbaumaßnahmen kommen in vielen Bächen und Flüssen
nur noch wenige typische Fließgewässertiere vor. Bei einer
Gewässerrevitalisierung sollten deshalb nicht nur
einzelne Strukturelemente (z.B.
Gehölzpflanzungen,
Uferabflachungen) wieder hergestellt werden, sondern es
muss auch auf die Initiierung der für Fließgewässer charakteristischen Dynamik geachtet werden (Abfluss,
Prall- und Gleithänge). Nur dann können die bettbildenden Kräfte des Wassers gefördert und das Gewässer mit
seinem Umland verzahnt werden. Ganz "von allein" entstehen die fließgewässertypischen Lebensräume
(Strömungsvielfalt) und die an diese Bedingungen angepassten Tier- und Pflanzengemeinschaften wandern ein bzw.
breiten sich aus.
Die Strömung erzeugt besondere Anpassungen
Typische Tierarten der Fließgewässer, wie die unten vorgestellten, sind durch einen besonders flachen
Körperbau oder extrem kräftig ausgebildete Klauen oder durch die Gestaltung des Köchers (schweres Material,
leichte Krümmung) an die Strömungskräfte des Wassers angepasst. Diese Anpassungen verhindern ein allzu
leichtes Abtreiben (Verdriften) der Tiere.
Hier folgen ein paar Beispiele für Kleintiere, die an die Lebensräume in schnell fließenden Bachabschnitten
angepasst sind und Kleintiere, die vorwiegend in den langsam fließenden Teilen der Bäche bzw. auch in
Stillgewässern (Seen, Tümpeln, Teichen) vorkommen.
Kleintierarten, die an das Leben in schnell strömenden Bereichen
angepasst sind:
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Steinfliegenlarven
Aussehen: 6 Beine, flacher Körper, 2 Schwanzanhänge lange Fühler
Größe: bis zu 3 cm
Lebensraum: schnell strömende Bäche, an der Unterseite von Steinen und zwischen Wasserpflanzen
Nahrung: Pflanzen und zum Teil andere Insektenlarven |
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Flache Eintagsfliegenlarven
Aussehen: 6 Beine, flacher Körper, 3 Schwanzanhänge, Kiemen am Hinterleib
Größe: bis zu 2,5 cm
Lebensraum: Schnell strömende Bäche, an der Unterseite von Steinen, zwischen Wasserpflanzen und
Moosen
Nahrung: abgestorbene Pflanzen |
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Köcherfliegenlarven mit Kiesköcher
Aussehen: 6 Beine, runder Körper, Köcher besteht aus kleinen Steinen oder Sandkörnern
Größe: bis zu 2,0 cm
Lebensraum: schnell strömende Bäche zwischen Steinen und Kies
Nahrung: Algen auf Steinen, abgestorbene Pflanzen |
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Kleintierarten, die an das Leben in langsam strömenden Bereichen
angepasst sind:
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Runde Eintagsfliegenlarven
Aussehen: 6 Beine, runder Körper, 3 Schwanzanhänge, Kiemen am Hinterleib
Größe: bis zu 2,5 cm
Lebensraum: in Bächen, Flüssen und Seen, an der Unterseite von Steinen und zwischen Wasserpflanzen
Nahrung: Algen auf Steinen und abgestorbene Pflanzen |
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Köcherfliegenlarven mit Pflanzenköcher
Aussehen: 6 Beine, runder Körper, Kiemen am Hinterleib, tragen Pflanzenköcher
Größe: bis zu 3 cm
Lebensraum: in Bächen, Flüssen und Seen, zwischen Steinen und Wasserpflanzen
Nahrung: Algen auf Steinen, abgestorbene Pflanzen |
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Langfühlerige Schnauzenschnecke
Aussehen: keine Beine, kegelförmig aufgedrehtes Kalkgehäuse, Deckel kann die Mündung verschließen
Größe: bis zu 1,5 cm
Lebensraum: in Teichen und Seen sowie langsam fließenden Bächen und Flüssen
Nahrung: abgestorbene Pflanzen und Insektenlarven |
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