Die Bäche und Flüsse in unserer Kulturlandschaft wurden seit Jahrhunderten
vom Menschen für bestimmte Nutzungen wie Landwirtschaft, Wasserkraft, Schiffahrt, Trinkwasser, Abwasser,
Hochwasserschutz u.a. umgestaltet.
Dabei gingen viele natürliche Lebensräume und Landschaftsbestandteile verloren. Aber
auch "wilde Flächen" mit spontaner Naturentwicklung, die Kindern und Jugendlichen Gelegenheiten zu
spielerischer und unreglementierter Naturbegegnung in der Nähe von Ortschaften boten, wurden immer weiter
reduziert. Viele Generationen wurden durch Naturerlebnisse an Bächen und Flüssen geprägt. Ein wichtiger
Erfahrungsschatz droht verloren zu gehen, wenn Kinder und Jugendliche heute kaum noch in den Bächen baden,
spielen, bauen, stauen und gestalten können. Die Mehrzahl unserer Gewässer wurde im Verlauf von
Flurbereinigungsverfahren ausgebaut, begradigt, ihr Bett verlegt, die Ufer befestigt und die Sohle tiefer
gelegt, um das Wasser aus der Landschaft abzuleiten und nutzbare Flächen zu erhalten.
Viele Tier- und Pflanzenarten, wie beispielsweise die Blauflügelige Prachtlibelle oder
der Fischotter,
stehen aufgrund dieser Entwässerungsmaßnahmen in den
Auen, Mooren und der Uferzonen auf der Roten Liste der
gefährdeten Arten oder sind bereits ausgestorben. Die Veränderungen der Gewässer sind immer ein Spiegel der
gesellschaftlichen Anforderungen an die Land- und Wasserwirtschaft. Heute haben wir die Möglichkeit, den
Gewässern wieder mehr Raum für eine natürliche Entwicklung zur Verfügung zu stellen.
In manchen Regionen müssen wir dies sogar tun, wenn wir an die
Hochwasserkatastrophen der Jahre 1999 und 2001 denken. Die natürlichen Funktionen eines Gewässers und
die Fließgewässerdynamik können nur
dann gefördert werden, wenn das Wasser, die Uferbereiche und das Umland als funktionale Einheit betrachtet
werden. Auch in der Wasserwirtschaft setzt sich zunehmend ein modernes ökologisches Verständnis für die
Bewirtschaftung der Gewässer und ihrer Auen durch. |